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Von
Folter und Hinrichtung
Theater Bewegendes Drama basiert auf historischen Unterlagen
Babenhausen
(fs) | Erfüllte der Knecht Antoni Hainz aus Oberroth im Jahr 1727
den Straftatbestand der
Sodomie, also sexueller Handlungen mit Tieren? Um diese Frage kreist das
neueste Stück der
Theatergruppe Schmiere, nämlich Schand. Und wie es der
Titel bereits verrät, handelt es sich dabei
um ein Delikt, das sowohl kirchliche, als auch gesetzliche Obrigkeit aufs
Schärfste verurteilt. Folglich
endet das Leben
des von allen gehänselten Knechts Antoni Hainz durch die Hand des
Henkers.
Eine
nicht gerade leichte Kost hat sich Autor und Regisseur Anton Demmeler
heuer einfallen lassen.
Dabei ist das Bedrückende daran, dass sich dieser Fall im Jahr 1727
in den Orten Oberrott (Oberroth),
Klosterbeuren und Schönegg (Oberschönegg) tatsächlich so
abgespielt hat. Und dies wurde alles fein
säuberlich protokolliert. Deshalb brachte die Theatergruppe Schmiere
die eigentliche Gerichtsverhandlung
im Wortlaut der damaligen Zeit auf die Bühne.
Tat nie
endgültig aufgeklärt
Vorausgegangen
war aber der Leidensweg des Knechtes Antoni Hainz. Aufgestachelt von den
liebes-
tollen Mägden des Bauern lässt er sich zu einer Tat hinreißen,
die aber bis zum Schluss des Stückes
nie endgültig aufgeklärt wird. Auf alle Fälle soll er sich,
von den Mägden beobachtet, an einer Kuh
vergangen haben. Dank des Wohlwollens des Ortspfarrers kann dies aber
zumindest vorübergehend
vertuscht werden. Doch auch ein Ortswechsel zu einem Bauern in Klosterbeuren
sorgt nur vorübergehend
für Ruhe. Bei einem Fest platzt dann dort die Bombe.
Um ein
Geständnis zu erhalten, erleidet der Knecht eine mehrtägige
Foltertortur, um dann letztendlich den
Tatvollzug zu gestehen. Denn nämlich nur dann droht ihm die Todesstrafe.
Und hat Antoni die Unzucht
tatsächlich begangen? Das muss der Besucher selbst entscheiden. Auf
alle Fälle holt der Henker den
Delinquenten, um den Urteilsspruch zu vollstrecken.
Beeindruckend,
wie die 25 Akteure auf der Bühne die Charaktere der damaligen Zeit
darstellen. Und
dazu passt die originalgetreue Kleidung der Schauspieler ebenso wie die
Sprache aus der Zeit um 1727.
Und allerlei Unikume streute Autor Anton Demmeler in dieses Stück
ein, beispielsweise einen Viehhändler,
der sich auch nicht scheuen würde, die junge Tochter des Bauern zu
verhökern. Doch auch die gerichtliche
Obrigkeit, ein edelmütiger Pfarrherr, der gnadenlose Scharfrichter
oder die gesprächige Oirkatl, die
Charaktere werden bestens in Szene gesetzt. Bei der abschließenden
Szene im Kerker hätte man im
Zuschauerraum eine Stecknadel fallen hören können.
In der
Tradition von Lu oder Zecil fand Schand
eine würdige Fortsetzung. Die Theatergruppe wird dabei
ihrem Auftrag
gerecht, Begebenheiten früherer Zeiten schonungslos auf die Bühne
zu bringen. Wie immer
passen Bühne, Schauspieler und Inhalt bestens zusammen. Allerdings
geht es auch diesmal wieder recht
ernst zu. Aber das wissen all diejenigen, die eine Aufführung der
Theatergruppe Schmiere im Theater am
Espach besuchen, ohnehin.
Quelle:
Illertisser Zeitung Nr.259 vom 10.11.2009
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