Zecil (1998)

 

 

 

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  "Zecil" - eine Tragödie in sieben Szenen
Theatergruppe Schmiere setzt Schicksal einer Frau aus Reichau um - Premiere des Stücks am Samstag

Babenhausen (fs)

Ob beim Gmoindsmauser, bei der Engelmacherin, beim Untera Wirt, vor dem Oberamtsgericht oder am Pranger - alles dreht sich um "Zecil". Dabei handelt es sich um eine Mitte des vorigen Jahrhunderts tatsächlich in Reichau lebende Frau, die gleichzeitig als Patin für alle Frauen mit unehelicher Schwangerschaft steht und deren Ächtung durchleidet. In der ihr eigenen Art setzt die Theatergruppe Schmiere diese sozialkritische Thematik in eine Tragödie in sieben Szenen um.
Nach dem erfolgreichen Musical "Joch", das die Theatergruppe Schmiere im Frühjahr erfolgreich präsentierte, haben sich die jungen Schauspieler um Stückeschreiber und Regiesseur Anton Demmeler diesmal ein "Sprechstück" vorgenommen, bei dem die Schwerpunkte besonders auf dem schauspielerischen Gebiet liegen.
Bereits seit September läuft der Probenbetrieb im Theater am Espach. Wie bei allen "Schmiere"-Produkten, die stets durch hohe Qualität bestechen, schrieb auch diesmal Anton Demmeler das Stück. Dabei griff er auf einen authentischen Fall zurück, wozu der Reichauer Heimatforscher Hermann Happ den geschichtlichen Stoff bereitstellte.

Geschichtliche Quellen

Demmeler hielt sich, was die Personen der "Zecil" (Cäcilia) Schädle angeht, weitestgehend an die geschichtlichen Quellen, die bis hin zum Verhandlungsprotokoll vor dem Oberamtsgericht in Boos reichen. Die "gestalterische Freiheit", so Demmeler, mußte bei der Entstehung der Tragödie insbesondere da in Anspruch genommen werden, wo - beispielsweise beim täglichen Leben - keine Rückgriffe auf Aufzeichnungen oder Protokolle möglich waren.
Das sozialkritische Stück ("Bäuerliche Tragödie anno 1842") handelt in sieben Szenen das Leben der Reichauer Frau Schädle ab, deren "Fehler" darin bestand, ledige Mutter zu werden. Dabei steht Zecil für jede Frau, die dieses Schicksal in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ereilte. Dieser Vorstoß gegen Sitte und Anstand, der sowohl gegen die kirchlichen Moralvorstellungen ("höchste moralische Verfehlung") als auch die Normen der Herrschaft oder dem Heile-Welt-Bild der Dorfgemeinschaft ("...darf sich im Heimatdorf nicht mehr sehen lassen") widerspricht, führt dazu, daß die ledige Mutter als "Haupthure" abgestempelt wird. Derart an den Pranger gestellt, von den Gerichten scharf bestraft und der Gemeinschaft geächtet lebt die ledige Mutter von der Gesellschaft ausgegrenzt. Als weiteres Beispiel für die Verlogene Gesellschaftseinstellung ist herausgearbeitet, daß der "Erzeuger" derartiger Kinder nur in den seltensten Fällen zur Verantwortung gezogen wird.

Immer am Pranger

Ob Zecils Verdingung als Magd, bei ihrer Flucht zur Engelmacherin, bei der Aufdeckung oder vor dem Oberamtsgericht in Boos, sie steht immer am Pranger - am Schluß auch bildlich.
Dieser schwierige Stoff und deren unterschiedliche Charaktere fordern das ganze schauspielerische Können der 22 Akteure. Seit September läuft der Probenbetrieb, wobei es gilt, ganz in der Rolle aufzugehen, damit sie glaubhaft herübergebracht wird. Dabei erweist sich Anton Demmeler einerseits als unerbittlicher Kritiker, anderseits aber auch als Perfektionist, was wiederum ein Markenzeichen der Nachwuchsbühne darstellt.

Leichte Hektik

Parallel dazu erstellen die Künstler die sieben Bühnenbilder, die jetzt nur noch "erdbebensicher" zu verstreben sind, wackelt doch der eine oder andere Raum bei den Proben nicht ganz unerheblich. Ganze Arbeit leisten auch die Personen im Hintergrund, die den jeweiligen Charakteren auch das passende Outfit, von Maske, bis zu Haarstyling oder Kleidung verpassen. Daß die Probenzeit sich dem Ende zuneigt, ist allein schon daraus abzulesen, daß die Hektik leicht, der Zigarettenumsatz auf der "Rampe" dagegen stark zunimmt - ein untrügliches Zeichen dafür, daß die erste Aufführung unmittelbar bevorsteht. Wer das sozialkrittische Stück selbst erleben will, dem sei die Premiere am Samstag, 31. Oktober, um 20 Uhr im Babenhauser Theater am Espach, empfohlen. Karten dafür gibts bei Textil Kast (Auf der Wies 10) unter der Telefonnummer 08333/93246.

Illertisser Zeitung: Dienstag 27. Oktober 1998 (Nummer 247)