Zur Geschichte des Theater am Espach in Babenhausen

Nach dem Brand des Wiener Ringtheaters im Dezember 1881, traten verschärfte Bestimmungen für das Theaterspielen in Kraft. Die schon lange bis dahin lose und seit 1864 offiziell bestehende "Bürgerliche Theatergesellschaft in Babenhausen" musste deshalb ihr Spielen auf den Dachböden des damaligen Rathauses bzw. im Hause Rauschmayr (heute Saliterbank) aufgeben.
Es entstand die Idee zum Bau eines eigenen Theaters unter der Initiative des Babenhausener Kaufmanns Anselm Magel. Er gründete zu diesem Zweck eine Aktiengesellschaft, an der sich 50 Bürger beteiligten, 200 Mark zeichnete die Gemeinde.
Da das Kapital nicht ausreichte erließ Anselm Magel einen Aufruf an die Bauern der Umgebung und schon am nächsten Tag fuhren lange Reihen von Wagen, beladen mit Holz, Steinen und Dachplatten durch die Straßen Babenhausens. Handwerker stellten sich als freiwillige Arbeiter zur Verfügung und schon bald stand das "Stadttheater" im Rohbau auf dem malerischen Espachplatz. Malermeister Alois Beyrer übernahm die Ausschmückung des Saales. Der Schreinermeister zimmerte mit seinem Freiwilligenkorps Bühne, Bänke und Kulissen.

Bei der Renovierung 1949 fand man beim Entfernen der Holzverschalung ein Brett mit der Aufschrift: "September 1889 N. Sailer". Eine Inschrift auf dem alten, heute leider zugebauten Giebel besagt: "Erbaut 1888-1889. Renoviert 1927".

Zur Einweihung des Hauses wurde ein Schauspiel aus der Zeit des französischen Rokoko gewählt: "Die Perle von Savoyen". Der Erfolg war so groß, dass die Aufführung noch 15 mal wiederholt wurde, vor immer ausverkauftem Hause. 40 Jahre später stand nochmals "Die Perle von Savoyen" als Jubiläumsaufführung auf dem Spielplan. Nach 1934 kam das Theaterspiel auf dem Lande allmählich zum Erliegen. Erst nach dem Ende des 2. Weltkrieges erwachte 1946 das "Stadttheater" zu neuem Leben., allerdings nicht unbedingt im alten Sinn. Zwar wurde hier auch wieder Theater gespielt, doch der Charakter des Hauses erfuhr immer mehr eine Umgestaltung in ein nüchternes Kino. Zuerst bei der Renovierung 1949, dann bei der sogenannten Modernisierung des Zuschauerraumes 1955. Der Bausubstanz selbst wurde leider keine Beachtung geschenkt. Trotz wiederholter kleinerer Reparaturen verkam das Haus mehr und mehr.

1980 sah sich die Gemeinde vor die Alternative gestellt: "Abriss oder Sanierung". Traditionsbewusst wählten sie den zweiten, aufwendigeren Weg. Am 5. Januar 1981 begannen die umfangreichen Renovierungsarbeiten.

15 Jahre nach der Sanierung in den Jahren 1996-1997 war es nötig den Bühnenbereich sowie die Haustechnik zu sanieren bzw. komplett zu erneuern. Es wurde die Verkabelung für Licht und Tontechnik, der Bühnenboden, die Gästetoiletten sowie die Garderobe mit Schminkbereich erneuert. Eine weitere Bereicherung entstand durch den Anbau eines Magazins, und neben der Garderobe ein Aufenthaltsraum mit Toiletten und Duschen.

Im Jahre 2006 konnte durch eine großzügige Spende, aus dem Vereinsvermögen der Schmiere, die Theaterbestuhlung teilweise erneuert und teils neu aufgepolstert werden. In diesem Zuge wurde auch der Teppichboden im Zuschauerraum neu verlegt.

 

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